Corona-Virus und Multiple Sklerose

Beitrag von Judith

Sicherlich haben sich bereits viele MS-Betroffene und Angehörige gefragt, wie es mit der Multiple Sklerose und dem Corona-Virus aussieht: Gehören Menschen, die an MS erkrankt sind, zur Risikogruppe? Ich habe verschiedene Informationen gefunden und möchte sie hier einmal zusammentragen:

Aussage meines Neurologen (05. März): Es ist (in meinem Fall) nicht nötig, sich Sorgen zu machen.

Aussage der Bundesregierung

„Auch bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen kommt es eher zu einem schweren Verlauf. Darunter fallen Personen […] mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, bedingt wird – darunter Cortison).“

MS-Patient*innen, die ein Medikament bekommen, welches das Immunsystem schwächt, gehören laut dieser Aussage zur Risikogruppe. Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Medikament dazu gehört, informiere dich online, frag deine*n Neurolog*in oder lies unten die Empfehlungen der britischen Regierung.
Auch die Schubbehandlung durch Cortison kann ein Risiko darstellen. Bitte sprich diesbezüglich mit deinem*r Neurologe*in.

Aussage britischer Neurolog*innen

Einige führende britische Neurolog*innen haben am 11. März Empfehlungen herausgegeben, welche MS-Medikamente das Corona-Risiko wie beeinflussen. Wenn du die Informationen im Original (auf Englisch) lesen möchtest, klicke einfach auf den Abschnittstitel oben. Ansonsten findest du die wichtigsten Informationen hier zusammengefasst:

Alle MS-Medikamente beeinflussen auf unterschiedliche Weisen das Immunsystem. Deswegen ist es für alle MS-Erkrankte wichtig, die allgemeinen Präventionsmaßnahmen ernst zu nehmen.

Die Einnahme von Medikamenten soll nicht ohne Rücksprache mit dem*r Neurologe*in gestoppt werden.

Die Aufsplitterung nach MS-Medikamenten lautet wie folgt:

  1. Interferon beta 1a, Interferon beta 1b, Copaxone, Teriflunomid, Dimethylfumarat und Natalizumab erhöhen das Infektionsrisiko nicht signifikant.
  2. Fingolimod erhöht das Infektionsrisiko mittelmäßig. Jedoch sollte es weiter verwendet werden, da sich die Wahrscheinlichkeit eines Schubes im Anschluss sehr erhöht.
  3. Ocreluzimab erhöht das Infektionsrisiko mittelmäßig. Es wird empfohlen, eine weitere Infusion etwas nach hinten zu verschieben, da der Schutz durch Ocreluzimab auch für länger als 6 Monate gewährleistet ist.
  4. Wenn du bereits eine Runde Cladribine oder Alemtuzumab hinter dir hast und bald eine neue bekommen sollst, sprich bitte mit deinem*r Neurologe*in darüber. Das Risiko einer Infektion ist 3-6 Monate nach der Gabe am höchsten. Daher sollte die zweite Gabe erst erfolgen, wenn das Corona-Risiko abgeklugen ist. Alemtuzumab wirkt auch noch, wenn die zweite Gabe erst nach 18 Monaten geschieht. Das Risiko, einen Schub zu erleiden, steigt also nicht! Für Cladribine sind die Daten nicht so deutlich. Es lohnt sich daher, nach einem anderen Medikament zu schauen.
  5. Wenn du bereits zwei Runden Cladribine oder Alemtuzumab hinter dir hast und es gut wirkt, ist dein Infektionsrisiko etwas erhöht. Falls deine MS immernoch aktiv ist, lies dir den nächsten Punkt durch.
  6. Wenn du bereits zwei Runden Cladribine oder Alemtuzumab hinter dir hast und deine MS trotzdem aktiv ist, solltest du das weitere Vorgehen mit deinem*r Neurologe*in besprechen. Eine weitere Runde wäre unter normalen Umständen richtig; unter den heutigen Umständen ist ein Wechsel zu einem anderen Medikament für die meisten Personen sinnvoll.
  7. Siponmiod, Fatumumab und Rituximab erhöhren das Infektionsrisiko und sollten nur verwendet werden, wenn dein*e Neurolog*in es mit dir diskutiert hat.
  8. Die Behandlung mit Medikamenten für Studien sollte mit Neurolog*innen besprochen werden.

Falls du bereits mit dem Corona-Virus infiziert bist, solltest du nach Rücksprache mit deinem*r Neurologe*in die Einnahme stoppen oder die Nächste Infusion nach hinten verschieben.

Die britischen Neurolog*innen haben ebenfalls Empfehlungen zum Start von Therapien gegeben. Diese sind hier einsehbar. Falls du kein Englisch kannst, melde dich bei mir (unter Kontakt) und ich helfe dir, die Informationen zu verstehen.

Aussage der DMSG

Da dieser Corona-Virus-Stamm neu ist, ist nicht bekannt, wie er sich auf Multiple Sklerose-Erkrankte auswirken kann. Viele krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs) für MS wirken, indem sie das Immunsystem unterdrücken oder modifizieren. Es ist bekannt, dass Menschen mit MS, die diese Therapien erhalten, einem erhöhten Risiko von Komplikationen im Zusammenhang mit Virusinfektionen ausgesetzt sein können. Wenn Sie eine krankheitsmodifizierende Therapie einnehmen und entweder dem Corona-Virus ausgesetzt sind oder die SARS-CoV-2-Infektion bestätigt wird, wenden Sie sich bitte an Ihren Neurologen oder andere medizinische Fachkräfte.

Am 20. März kamen wurden zudem aktuelle Informationen auf der DMSG-Webseite veröffentlicht. Diese beinhalten neben allgemeinen Infos auch solche zum Einfluss bestimmter Medikamente. Es gilt für Menschen ohne Therapie:

MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) und Glatirameracetat (Copaxone, Clift) behandelt werden, sind grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen.

Trotzdem muss folgendes bei einer stärkeren Behinderung beachtet werden:

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher.

Weiterhin äußert sich die DMSG zu Cortison-Schubtherapien folgendermaßen:

Eine Cortison-Pulstherapie kann kurzfristig das Infektionsrisiko erhöhen. Bei einem Schub sollte daher sorgfältig besprochen werden wie sich der MS-Erkrankte nach dem Cortisonpuls vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Die Notwendigkeit einer Cortison-Pulstherapie sollte bei sehr leichten Schüben abgewogen werden. Mit regelmäßigen in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien sollte – nach unserer Einschätzung – zunächst pausiert werden.

Auch die DMSG gibt Empfehlungen heraus, die mit der medikamentösen Therapie zusammenhängen:

  • Natalizumab/Tysabri: Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht.
  • Dimethylfumarat/Tecfidera: Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass das Infektionsrisiko nicht erhöht ist.
  • Teriflunomide/Aubagio: Bei den Dosierungen in der MS-Therapie ist ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht anzunehmen. 
  • Modulatoren Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (Fingolimod/Gilenya und Siponimod/Mayzent): Unter diesen Therapien besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Therapeutische Neueinstellungen sollten zum jetzigen Zeitpunkt sorgfältig überlegt werden.
  • Sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron): Diese Therapien erhöhen das Infektionsrisiko insbesondere unmittelbar nach der Infusionsbehandlung. Da es sich bei Ocrelizumab und Rituximab um Intervalltherapien handelt, ist auch eine Verlängerung des Intervalls individuell zu diskutieren, ohne dass die Gefahr einer Aktivierung der MS besteht.

Bitte achtet auf Euch und eure Lieben!

Neue Informationen wird es weiterhin auf der DMSG-Seite geben.

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